Die Auswirkungen von „Pucken“ auf den Säugling

 

„Pucken“ ist eine Methode zur Kindesberuhigung, die besonders im 18. Jahrhundert weit verbreitet war und seit kurzem wieder in den europäischen Ländern an Bedeutung gewinnt. Dabei wird der Säugling in ein Tuch eng eingewickelt und in Rückenlage positioniert. Die zugrundeliegende Idee ist, dass die Enge des Einwickelns den Säugling an das vertraute Umfeld im Mutterleib erinnert und er so beruhigt wird. Dennoch wird Pucken in einigen Fachkreisen eher kritisch betrachtet. In diesem Beitrag wird nun diskutiert, woran das liegt und was die genauen Auswirkungen von Pucken sind. Dabei beziehen wir uns auf eine umfassende wissenschaftliche Arbeit von 2007, welche die Befunde aus 78 Studien zusammenfasst.

Beruhigung des Säuglings

Es stimmt, gepuckte Säuglinge schlafen am Tag mehr, bewegen sich weniger, erschrecken sich seltener und weisen eine geringere Herzfrequenz auf. Es ist somit in dieser Hinsicht eine effektive Methode.

Pucken führt zu weniger schreien

Auch das konnte festgestellt werden. In einer Studie mit Schreikindern haben die gepuckten Kinder wesentlich weniger und seltener geschrien als die ungepuckten.

Plötzlicher Kindstod

Plötzlicher Kindstod ist auf eine Reihe von Einflüssen zurückzuführen und das Pucken bietet dagegen leider keine Immunität. Allerdings kann es das Risiko dafür reduzieren, da die empfohlene Position des Säuglings beim Pucken in Rückenlage ist. Die Rückenlage selbst ist es, die das Risiko für plötzlichen Kindstod reduziert.

Atemwegserkrankungen

Nun kommen wir leider zu den negativen Auswirkungen von Pucken. Gepuckte Säuglinge weisen ein im Schnitt 4-mal so hohes Risiko auf, eine Atemwegserkrankung zu entwickeln, besonders, wenn sie zu stark eingewickelt wurden und somit die Atmung des Säuglings eingeschränkt wurde.

Hüftdysplasie

Hierbei handelt es sich um einen sehr häufigen und gut dokumentierten Nebeneffekt von Pucken. Die Körperposition, die beim Pucken für gewöhnlich angewendet wird, übt eine sehr starke Belastung auf die Säuglingshüfte aus und kann bei langfristiger Anwendung zu einer Hüftdysplasie führen.

Einige weitere Effekte wurden ebenfalls untersucht, die allerdings keine weiteren eindeutigen Auswirkungen des Puckens aufdecken konnten. Das Pucken weist einige positive und einige negative Aspekte auf und für die unter Schlafentzug leidenden Eltern ist es sicherlich eine Option, aber die langfristige Anwendung bringt zusätzliche Risiken für den Säugling. Es ist keine klar gute oder schlechte Methode, sondern eher ein "Werkzeug", das zu bestimmten Zeiten angewendet werden kann. Was es nicht ist, ist eine dauerhafte Lösung für unruhige Kinder. Es liegt weiterhin an den Eltern, ihr Kind richtig zu pucken und in der richtigen „Dosierung“.

Quelle:

Van Sleuwen, B. E., Engelberts, A. C., Boere-Boonekamp, M. M., Kuis, W., Schulpen, T. W. J., & L'Hoir, M. P. (2007). Swaddling: A systematic review. Pediatrics, 120(4), e1097-106. https://doi.org/10.1542/peds.2006-2083

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